Beziehungssucht und Narzissmus

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Abhängigkeit von Alkohol oder Nikotin sind jedem bekannt. Wie steht es aber um emotionale Abhängigkeit in Beziehungen, der sogenannten Beziehungssucht? Wenn beispielsweise ein Partner glaubt, ohne (den einen) anderen (weiter)leben zu können? Wenn man von einer Beziehung zur nächsten hüpft? Wenn eine Trennung nur möglich ist, nachdem der nächste schon bereit steht?

In den letzten Jahren haben Verhaltenssüchte (z.B. Pornosucht, Mediensucht) stark zugenommen und es scheint etwas gewaltig schief zu laufen mit unseren Fähigkeiten in die Balance zu kommen oder zu halten. Wir verlieren unseren Bezug zur Selbstwirksamkeit und werden stattdessen zu Beziehungsjunkies.

Trennung! Der Boden tut sich auf

Wenn der Partner ankündigt, dass die gemeinsame Zeit vorbei ist und er nun weiterziehen möchte (in diesem Fall ohne uns), dann gibt es wohl kaum einen Menschen, der nicht erstmal in ein Loch fallen würde. Wie durch einen Wattebausch hören wir kaum, was der Partner sagt (denn laut ihm hat das natürlich nichts mit uns zu tun … und er wünscht sich nichts mehr, als mit uns befreundet zu bleiben …), in den Ohren hören wir nur noch unser Blut rauschen. Wir haben einen Schock! Hoffentlich ist der Albtraum bald zu Ende.

Nachdem etwas Zeit vergangen ist, kommt die Hiobsbotschaft allmählich in unserem Kopf an. Begünstigt wird dieser Vorgang übrigens durch reden, sprechen, nochmal reden und wieder sprechen, es immer wieder zu erzählen, rauf und runter, runter und rauf – mit Freunden, Familie und manchmal auch mit dem Partner selbst, wenn er uns dafür noch zur Verfügung steht. Bis das Geschehene langsam Wirklichkeit werden kann. Das ist natürlich für das Umfeld auch eine anstrengende Zeit, die aber wichtig für die Verarbeitung ist.

Es dauert seine (Trauer)Zeit, bis wir wieder ins Leben zurückfinden nach einer Trennung. Bedingt wird der Prozess durch die Dauer der Beziehung und die emotionale Tiefe der Verbindung. Hierbei handelt es sich um völlig normale Prozesse!

Zurück ins Leben

Schwierig wird es erst dann, wenn nach einer Trennung der Weg zurück ins Leben nach einer angemessenen Zeit nicht vollzogen werden kann. Diese Zeit orientiert sich an der Dauer und Intensivität der Partnerschaft. Wir sprechen hier nicht von Tagen oder Wochen, sondern eher von Monaten bis Jahren. Es ist wichtig, zwischen einem gesunden Trauerprozess und der Pathologischen Trauer zu unterscheiden, was ggf. nur ein Fachmann/Fachfrau kann.

Wenn der Betroffene depressiv wirkt und sich und sein Leben dadurch selbst beschneidet, nicht offen für Neues ist (und ich spreche nicht von neuen Partnern!). Die Lebensfreude fehlt, der Antrieb ist nicht vorhanden, alles fällt schwer und das Leben scheint so gar keinen Sinn mehr zu ergeben. Die Gedanken kreisen um die Zukunft und die Angst, niemals mehr glücklich zu werden oder jemanden zu finden, vermehrt sich rasant. Psychosomatische Symptome wie z.B. Schlafstörungen, Herzrhythmusstörungen und Panikattacken treten sehr oft auf.

Im Falle der Trennung wird schnell klar, wie stark der Partner bzw. die Partnerschaft zur Selbststabilisierung benutzt wurde. Klienten kommen genau an diesem Punkt oft zum Therapeuten und es liegt eine anstrengende Arbeit vor ihnen, weil diesen Menschen das Selbstwertgefühl beinahe vollständig fehlt, was durch die Trennung an die Oberfläche kommt. Die extreme emotionale Abhängigkeit muss erkannt werden.

Beziehungsabhängige Menschen

„Ich hätte mich nie von meiner Frau getrennt“, schluchzt der verzweifelte Mann und umgekehrt. Es gibt zahlreiche Gründe, warum Menschen sich niemals von ihren Partnern trennen würden, auch wenn die Partnerschaft vielleicht schon lange nur noch dahin dümpelt. Das Motto: Besser eine schlechte Beziehung als gar keine, ist kein guter Ratgeber und sorgt nicht für eine Partnerschaft auf Augenhöhe.

„Vielleicht finde ich ja keinen besseren oder gar niemanden mehr“, resultiert aus der Angst vor dem Alleinsein und die steht immer ganz oben. Außerdem ist der Glaubenssatz „Man muss einen Partner oder eine Partnerin haben“ noch nicht endgültig in die Jahre gekommen und ausgemustert. Menschen ohne Partner sind nur halbe Menschen („Wo ist denn deine bessere Hälfte?“) und irgendwie weniger wert in vielen (veralteten) Augen. Christliche Motive bei der Eheschließung spielen immer noch eine wichtige Rolle  und führen dazu, dass Menschen sich nicht trennen, um (bei wem auch immer) nicht in Ungnade zu fallen.

Beziehungsjunkies, die von einer Beziehung zur nächsten wandern, würden von sich aus nie eine Trennung initiieren, es sei denn, der nächste wartet schon, so dass es keinen Leerlauf gibt, denn hier würden die Gefühle des Alleinseins ja spürbar werden. Meist werden diese Beziehungsmuster in der Pubertät sichtbar und ziehen sich mitunter lange hin. Ursächlich sind sie jedoch bereits in der frühen Kindheit entstanden.

Fazit

Trennungen, die so gar nicht überwunden werden, weisen auf eine extreme Verletzung oder Kränkung hin und sind oft ein Hinweis auf eine narzisstische Struktur. Weil Menschen mit narzisstischen Zügen nämlich immer über einen schlechten Selbstwert verfügen, sind sie sehr leicht kränkbar. Kritik an ihrer Person ist kaum auszudenken. Derjenige, der sich trennt, fügt ihm eine sog. „Narzisstische Kränkung“ zu, die nicht überwunden werden kann. Hier hilft auch die Zeit wenig, sondern es werden schwere Geschütze aufgefahren (Racheaktionen) oder dem Partner alles versprochen, damit dieser die Trennung rückgängig macht (klein machen/Druck ausüben).

Der Narzisst verfällt jedoch rasch in seine alten Muster zurück, sobald der Partner wieder zur Selbststabilisierung zur Verfügung steht. Es würde eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst geschehen müssen.

Die Erkenntnis, dass das Festhalten an einer Kränkung auch bedeutet, dass derjenige um sich selbst und sein Leid kreist, was einem narzisstischen Prinzip entspricht. Narzissten halten sich für die Sonne, um die andere Menschen herumzukreisen haben.

Mehr über die Symptome des Narzissmus und Narzisstische Beziehungen… 

 

 

Foto: © Nicole Rinder

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