Was ist so fesselnd an „Shades of Grey“?

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Die Geschichte:

Die sehr junge und sexuell unerfahrene, selbstredend wunderhübsche und sämtliche Idealmaße innehabende Studentin Anastasia Steele, trifft auf den älteren, unnahbar wirkenden, nicht minder attraktiven und äußerst wohlhabenden, erfolgreichen Geschäftsmann Christian Grey. Die Story erinnert stark an Aschenputtel oder an „Pretty Woman“, möglicherweise auch an einen Sechser im Lotto.

 

Die Handlung:

Mr. Grey, der wenig emotional  und liebevoll wirkt und stark auf sich selbst bezogen, verliebt sich natürlich in Anastasia und wirbt im Rahmen seiner „bescheidenen“ Möglichkeiten um ihre Gunst. Dabei scheut er nicht davor zurück, mal eben seinen Privat-Hubschrauber einzusetzen oder ihr im Vorbeigehen einen nagelneuen Sportwagen vor die Tür zu stellen. Die selbstbewusste Anastasia wehrt sich zunächst gegen die Macht, die Christian ihr gegenüber ausübt – in jeder Hinsicht, aber ohne großen Erfolg. Sie ist seinem Charme, seiner Vehemenz und Dominanz quasi machtlos erlegen. Die beiden werden mit vielen Ups und Downs schließlich ein Paar.

 

Die Faszination:

Beide Protagonisten erhalten eine herausragende Entwicklungschance in ihrer stark sexuell geprägten Beziehung. Die erfrischende, emotionale und authentisch wirkende Anastasia schafft es über drei Bände den aufgrund seiner dramatischen Lebensgeschichte „zugemauerten“ Christian durch ihre Liebe und Zuneigung weicher zu machen und anfangs zumindest punktuell sein Herz zu berühren. Sie hingegen lernt sich hinzugeben, dabei jedoch auch Grenzen zu setzen und scheut mitunter auch vor entsprechenden Konsequenzen nicht zurück. Beide haben somit einen unterschwelligen „Heilauftrag“ und werten sich nebenbei gegenseitig auf – er sie durch seine Lebenserfahrung und entsprechenden Möglichkeiten sein Leben zu gestalten und sie ihn durch ihre Herzlichkeit, Unverdorbenheit und Jugend. Sie schafft es, den verhärteten Christian aufzuweichen und seinen weichen Kern freizulegen, er hingegen hilft ihr dabei, eine wirkliche Frau zu werden, ohne sich selbst aufzugeben.

 

Der Hype:

Sex ist ein Spiel oder sollte es sein. In jedem von uns schlummern Anteile von Dominanz und Unterwürfigkeit, die man spielerisch in die Sexualität einbauen könnte. Weil viele Menschen nicht zu ihren sexuellen Vorlieben und Wünschen stehen, tauchen sie zumindest zeitweise durch das Lesen eines solchen Buches in diese Fantasiewelt ein. Trotz heutiger Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau wünschen sich Frauen selbstsichere Männer, die genau wissen, was sie wollen und das auch so ausdrücken. Die Männer dagegen wünschen sich zwar starke, selbstbewusste Frauen, aber keine ihnen überlegene. Nicht ohne Grund höre ich von vielen Frauen zu „Shades of Grey“: „Das Buch ist Dauererregung von der ersten bis zur letzten Seite“, „Das Buch ist erotischer als mein Mann“ usw. Warum hört man eigentlich so wenig von den Männern dazu? Spricht die Männlichkeit des Mr. Grey denn wirklich nur die Frauen an? Bestimmt nicht, sondern die Erklärung ist viel einfacher: die Hauptleserschaft von Büchern besteht leider aus Frauen!

 

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