Frauen, ihr Dirndl und die Wiesn

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Schon weit vor dem Sommerende beginnen die (hausgemachten) Sorgen für uns Münchner Frauen. Wird es ohne Extremdiät klappen? Mit etwas Glück passt man in das Vorjahres-Dirndl noch irgendwie hinein. Ansonsten wird es vielleicht endlich Zeit für ein neues.

Man muss nämlich bedenken, dass sich ein Wiesnbesuch über längere Zeit hinziehen kann und das bedeutet stundenlang auf einer Bierbank in einem viel zu engen Dirndl zu sitzen, was ganz schöne gesundheitliche Probleme bereiten kann. Früher wurden Dirndl nämlich als Mieder getragen, freilich nicht so hübsch und bunt wie heute, aber jetzt verstehen wir, warum sie so eng sitzen müssen. Aber zurück zur Bierbank: Eingequetscht (zwischen Menschen und ins Dirndl), besonders im Rippenbereich, wird jeder Atemzug zu einer Qual. Automatisch hält man die Luft nahezu an und schwört sich spätestens da, dass es so etwas nie wieder geben darf. Nächstes Jahr wird früher vorgesorgt – entweder durch eine disziplinierte Diät oder ein neues Outfit.

(Ich bin jedenfalls froh, dass ich mein Dirndl im vergangenen Jahr so „locker sitzend“ gekauft habe, dass auch noch Hendl, Brezn, Bier (und das sogar im Sitzen) mit reingepasst haben!)

 

Was machen wir mit der Schürze?

Jedes Jahr stellt sich wieder die Frage nach dem Sitz der Schleife. Links bedeutet: man ist noch zu haben = also Single, rechts bedeutet: man ist gebunden = also vergeben. Ungeklärt ist, ob sich jemand an diese Tradition hält. Und will sich die Dirndlträgerin eigentlich outen, indem sie ihren Beziehungsstatus derart preisgibt? Wenn man auf Nummer sicher gehen will, dann wählt man am besten die Mitte. Da kommt die Schluppe auch am besten zur Geltung und kaschiert das Bäuchlein gleich mit.

(Ich bin heuer übrigens zum allerersten Mal auf den Sitz meiner Schleife angesprochen worden und das von einem Italiener. Respekt Luigi!)

Frisur

Das mit den Haaren ist so eine Sache. Denn die müssen unbedingt zusammengebunden sein. Zum Dirndl passen keine offenen Haare, sondern es ist die Gelegenheit, hübsch geflochtene, ordentlich gezopfte oder kunstvoll hochgesteckte Frisuren zu präsentieren. Es ist eine Frage des Alters, ob sich üppige bunte Blumenkränze im Haar ranken oder zwei Gretchenzöpfe am Kopf hinunter kringeln, aber das bleibt jedem selbst überlassen. Auf dem Oktoberfest jedenfalls ist alles möglich.

(Ich habe das große Glück, dass meine Freundinnen geschickte Töchter haben und Vollprofis sind. Im Handumdrehen sind meine Haare daher gedreht, geklemmt und absolut ordentlich verpackt.)

Handtasche

Die Handtasche ist für Frauen schon grundsätzlich ein Thema. Und ohne geht natürlich gar nichts. Allerdings muss sie klein sein, sehr klein … Was wird unbedingt benötigt und was kann daheim bleiben? . Die Mindestausrüstung sieht so aus: Lippenstift, Lippenbalsam, Handcreme, Taschentücher (die braucht man auf der Wiesn IMMER) und ein paar Kaugummis (wer weiß …). Ach, und dann noch das Handy, ohne das geht gar nichts mehr – für Notfälle (verloren gegangene Freundinnen), für Fotos (damit man am nächsten Tag auch noch erinnert …) und außerdem weiß man ja nie, wer noch alles so unterwegs ist und was sich ergibt. Wenn der Wettergott mitspielt (und das tut er fast immer), braucht´s auch noch die Sonnenbrille und unbedingt einen Kamm und ein paar Nothaarspangen, falls das Kunstwerk auf dem Kopf der Beanspruchung durch eine wilde Karussellfahrt oder ein paar Bussis vom Nebenmann nicht standhält.

(Altersbedingt (ich ahnte, dass diese Frage irgendwann auftauchen würde) habe ich heuer sicherheitshalber den Personalausweis eingesteckt. Und was, wenn mein Bargeld nicht reicht? Vielleicht werde ich ein Taxi brauchen? Also habe ich die EC-Karte auch noch mitgenommen.Nimmt ja auch keinen Platz weg …)

Schmuck

Nach der Pflicht kommt endlich die Kür. Halsketten mit Motiven wie den röhrenden Hirsch oder das obligatorische Herzerl darf selbstredend nicht fehlen. Manch einer trägt noch ein Bettelarmband (oder mehr), sogar zusätzlich zum opulenten Charivari und klimpert dann wie ein Christbäumchen. Auf der Wiesn darf das alles sein.

Und bevor ich es vergesse: Das (farblich passende) Trachtenjackerl ist – trotz Wettergarantie – ein Muss, mindestens aber die Stola oder ein wärmendes Schultertuch ist dringend anzuraten.

Die Schuhe

Das finde ich persönlich jetzt den allerwichtigsten Punkt und den größten Wohlfühlfaktor. Denn das Grauen ist kaum zu überbieten, wenn die Schuhe unbequem sind. Sie müssen schließlich einen ganzen Wiesntag überstehen. Hin zur Festwiese (meist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln) stellen die Schuhe meistens noch kein Problem dar, aber spätestens mit Beginn der Tanzeinlagen, die in jedem Bierzelt unausweichlich stattfinden, zeigt sich weise Voraussicht bei der Schuhwahl. Zu fortgeschrittener Stunde wird jeder Gang zur Toilette genau überlegt und ein Rundgang über das Oktoberfest immer unwahrscheinlicher. Praktisch sieht es so aus, dass wir nach einem unvergesslichen und wunderbaren Wiesn-Event fußtechnisch leidend, aber gutgelaunt, von dannen schleichen. Weil sich die Schuhe (mindestens) drei Nummern zu klein anfühlen, haben wir die Zehen bis aufs Minimum eingekrallt. Froh sind wir, dass der Alkohol den Schmerz wenigstens ein bisschen betäubt.

Den langersehnten Moment, wenn man sich zu Hause ENDLICH des engen Dirndls entledigen darf, setzt unfassbare Glückshormone frei und es ist davon auszugehen, dass man die Nacht durchschlafen kann. Aber, spätestens am nächsten Morgen stellt sich das Gefühl ein, dass die Fußnägel nicht mehr zu den Zehen und diese wiederum nicht mehr zum Fuß gehören. Mitunter kann die Genesung Tage dauern. Irgendwann aber hat man allen Schmerz vergessen und der nächste Besuch auf dem Oktoberfest kann kommen.

(Ich habe mich (wahrscheinlich auch altersbedingt) ja dieses Jahr für Turnschuhe zum Dirndl (natürlich farblich abgestimmt) entschieden und bin froh, dass auf der Wiesn einfach alles geht!)

Fazit

Früh übt sich, wer ein Wiesnprofi sein will. Und man sieht, so einfach wie es scheint, ist das Ganze gar nicht. Es ist ein Projekt – alles geplant, nichts zufällig. Aber es lohnt sich! Und wie viele Komplimente Frauen untereinander verteilen (die Damentoiletten auf der Wiesn sind da ein echtes Erlebnis!), mag man vielleicht nicht glauben. „Mei, du hast aber ein schönes Dirndl an, das passt genau zu deinen Augen“ habe ich schon gehört (und ich man fragt sich, wie das nach dem Bierkonsum feststellbar ist).

Ja, ich komme wieder. Jedes Jahr. Die Vorfreude ist die schönste Freude und bald geht´s wieder los, das passende Outfit für die nächste Wiesn 2019 zusammenzustellen.

 

Foto: © Susanna Amberger (www.country-online.com)

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