{"id":501,"date":"2016-10-13T12:52:00","date_gmt":"2016-10-13T10:52:00","guid":{"rendered":"http:\/\/2018.beziehungsvoll.de\/?p=501"},"modified":"2020-07-28T18:02:16","modified_gmt":"2020-07-28T16:02:16","slug":"noch-jemand-angst-vorm-tod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/noch-jemand-angst-vorm-tod\/","title":{"rendered":"Noch jemand Angst vorm Tod?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Tod\u00a0hat\u00a0derzeit eine beeindruckende Medienpr\u00e4senz und\u00a0dieser Umstand macht es uns ganz sch\u00f6n schwer,\u00a0das f\u00fcr\u00a0viele\u00a0unangenehme Thema erfolgreich zu verdr\u00e4ngen. Aber was ist\u00a0eigentlich daran so angsteinfl\u00f6\u00dfend, dass\u00a0wir\u00a0glauben,\u00a0damit nicht umgehen zu k\u00f6nnen?<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Weil uns der Tod\u00a0immer mit der eigenen Endlichkeit knallhart konfrontiert. Und das macht Angst. Gro\u00dfe Angst. Doch\u00a0fr\u00fcher oder sp\u00e4ter werden wir nicht umhin k\u00f6nnen, uns damit auseinanderzusetzen und den Umgang mit Abschied und Trauer kann man in gewissem Ma\u00dfe lernen. Auf den Tod selbst kann man sich wohl\u00a0nur schwer\u00a0vorbereiten. Wir\u00a0interpretieren unsere Gef\u00fchle, die\u00a0durch\u00a0Tod und Abschied\u00a0aufkommen, in der Regel als negativ, weil sie \u00e4u\u00dferst schmerzhaft sind und uns meist an den Rand des Ertr\u00e4glichen bringen. Ich kenne nur wenig Menschen, die sich dem Ganzen angemessen stellen; die meisten schieben es beiseite.<\/p>\n<p>Dabei ist ab unserer Geburt nichts so sicher, wie\u00a0unser\u00a0Sterben. Lediglich eine zeitlich begrenzte Lebenszeitspanne steht uns\u00a0zur Verf\u00fcgung, die wir bestm\u00f6glich nutzen\u00a0und f\u00fcr diese geschenkte Zeit dankbar sein sollten. Denn wir wissen nie, wann sie endet. Leicht gesagt.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund finde ich die aktuellen Diskussionen \u00fcber\u00a0<a title=\"Interview mit Gian Domenico Borasio\" href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/themen\/reportage\/debatte-um-sterbehilfe-die-palliativmedizin-kann-viel-mehr-als-schmerzen-lindern\/10966142.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Palliativmedizin,\u00a0Sterbehilfe &amp; Co.<\/a> so wichtig, damit unsere Kultur den Umgang mit Trauer und Trauernden\u00a0endlich wieder lernen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Provokative Fragen<\/h2>\n<p>In der Psychologie werden gerne und immer \u00f6fter provokative Fragen zum eigenen Sterben gestellt.\u00a0Diese &#8222;Schocktherapie&#8220; k\u00f6nnte in etwa so klingen: &#8222;Was glauben Sie, wird am Ende Ihres Lebens auf Ihrem Grabstein stehen?&#8220; (M\u00f6gliche und h\u00e4ufige! Antwort: &#8222;Sie hat es immer allen recht gemacht &#8230;&#8220;)<\/p>\n<p>Oder: &#8222;Was w\u00fcrden Sie tun, wenn Sie w\u00fcssten, dass Sie nur noch 24 Stunden zu leben h\u00e4tten?&#8220; (M\u00f6gliche und h\u00e4ufige! Antwort: &#8222;Mich um meine Frau und Kinder k\u00fcmmern und Ihnen sagen, wie sehr ich sie liebe &#8230;&#8220;)<\/p>\n<p>Ich denke, dem brauche ich nichts mehr hinzuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Durch die Auseinandersetzung mit dem Tod k\u00f6nnen Menschen\u00a0mehr Bewusstsein erlangen.\u00a0Besonders f\u00fcr den Moment &#8211;\u00a0das Hier und Jetzt. Dass wir nicht unendlich viel Zeit haben, k\u00f6nnen wir uns auch nicht oft genug klarmachen. Und wir die Dinge, die uns wirklich wichtig sind,\u00a0eines Tages vielleicht nicht mehr nachholen k\u00f6nnen, wissen wir eigentlich auch. Worauf\u00a0warten wir also dauernd? Weil wir es meist nur rational verstehen und nicht emotional sp\u00fcren.\u00a0Auch nicht sp\u00fcren wollen, weil wir Angst davor haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Trauer in der (Paar)Therapie<\/h2>\n<p>Trauer erscheint mir wie ein Bumerang-Thema, das hei\u00dft, ganz egal wie weit er geworfen wurde,\u00a0er kommt fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zu uns zur\u00fcck. Und nicht nur das, sondern zu einem Zeitpunkt, an dem wir\u00a0nicht\u00a0damit rechnen. Es ist, als wenn der Bumerang durch den weiten Wurf erst richtig an Fahrt aufgenommen h\u00e4tte, und seine R\u00fcckkehr\u00a0trifft\u00a0uns nun umso zielsicherer.<\/p>\n<p>Ich durfte bisher mit vielen\u00a0Menschen arbeiten\u00a0und habe immer wieder festgestellt, dass verdr\u00e4ngte und nicht gelebte Trauer ein Riesenthema in der Therapie ist. Auch wenn Klienten in aller Regel nicht deshalb den Weg zu mir finden, sondern der Weg zum Therapeuten zun\u00e4chst meist aufgrund von Partnerschaftskonflikten angetreten wird.<\/p>\n<p>Immer wieder erlebe ich Klienten in ber\u00fchrenden Situationen, wenn ich sie &#8222;nur&#8220; nach einigen Menschen\u00a0in ihrer Geschichte frage und rasch klar wird,\u00a0wenn unverarbeitete Trauer am Werk ist.\u00a0Die\u00a0Reaktionen meiner Klienten \u00fcberraschen sie h\u00e4ufig selbst v\u00f6llig, weil sie glaubten, dass sie entweder l\u00e4ngst dar\u00fcber hinweg w\u00e4ren,\u00a0das alles doch schon so lange her sei oder sie\u00a0&#8222;eigentlich&#8220;\u00a0keine tiefe emotionale Bindung gehabt h\u00e4tten. Denkste.<\/p>\n<p>Es geht hierbei nicht nur um den Tod von\u00a0Eltern, sondern\u00a0genauso\u00a0um\u00a0verstorbene Geschwister, Freunde, Verwandte, Suizide, Abtreibungen, Fehlgeburten und so weiter. Trauer ist auch nicht gleichbedeutend mit Tod, denn unverarbeitete Beziehungen, Trennungen, Kontaktabbr\u00fcche und dergleichen fordern genauso einen Trauerprozess. Und das alles das einen enormen Einfluss auf die Beziehung eines Paares hat, wird in meinem Augen h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>In meinen Augen heilt die Zeit allein keine Wunden, sondern\u00a0alles h\u00e4ngt davon ab, wie wir die Zeit genutzt haben, um unsere Wunden zu verarzten. Sich zusammenzurei\u00dfen, verdr\u00e4ngen oder bet\u00e4uben sind definitiv keine Wege, um der Trauer einen angemessenen Raum zu geben. Und\u00a0deshalb ist es so wichtig, sich dem Thema wirklich zu stellen, auch wenn es schmerzt. Denn, es (be)trifft jeden einzelnen von uns!<\/p>\n<p>Vom Umgang mit\u00a0Tod\u00a0&amp; Trauer erz\u00e4hlt uns\u00a0eine wunderbare Frau, die es wirklich wissen muss. Nebenbei ist sie seit langem\u00a0eine meiner wichtigsten Lebensbegleiter.\u00a0Von ihr\u00a0lerne ich t\u00e4glich,\u00a0dass jeder Tag das letzte Fest sein kann. Danke, Nic!<\/p>\n<p>In der sehenswerten BR-Doku &#8222;Der Tod bringt mich nicht um&#8220; erfahren wir, wie lebendig ein Mensch sein kann, der seine Berufung durch den Tod gefunden hat und dabei auch noch Spa\u00df am Leben hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Foto: \u00a9\u00a0Torsten Schlemmer<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tod\u00a0hat\u00a0derzeit eine beeindruckende Medienpr\u00e4senz und\u00a0dieser Umstand macht es uns ganz sch\u00f6n schwer,\u00a0das f\u00fcr\u00a0viele\u00a0unangenehme Thema erfolgreich zu verdr\u00e4ngen. 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