{"id":4945,"date":"2019-04-05T16:26:32","date_gmt":"2019-04-05T14:26:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/?p=4945"},"modified":"2019-07-09T10:39:17","modified_gmt":"2019-07-09T08:39:17","slug":"beziehungssucht-und-narzissmus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/beziehungssucht-und-narzissmus\/","title":{"rendered":"Beziehungssucht und Narzissmus"},"content":{"rendered":"<p>Abh\u00e4ngigkeit von Alkohol oder Nikotin sind jedem bekannt. Wie steht es aber um emotionale Abh\u00e4ngigkeit in Beziehungen, der sogenannten Beziehungssucht? Wenn beispielsweise ein Partner glaubt, ohne (den einen) anderen (weiter)leben zu k\u00f6nnen? Wenn man von einer Beziehung zur n\u00e4chsten h\u00fcpft? Wenn eine Trennung nur m\u00f6glich ist, nachdem der n\u00e4chste schon bereit steht?<\/p>\n<p>In den letzten Jahren haben Verhaltenss\u00fcchte (z.B. Pornosucht, Mediensucht) stark zugenommen und es scheint etwas gewaltig schief zu laufen mit unseren F\u00e4higkeiten in die Balance zu kommen oder zu halten. Wir verlieren unseren Bezug zur Selbstwirksamkeit und werden stattdessen zu Beziehungsjunkies.<!--more--><\/p>\n<h2><strong>Trennung! Der Boden tut sich auf<\/strong><\/h2>\n<p>Wenn der Partner ank\u00fcndigt, dass die gemeinsame Zeit vorbei ist und er nun weiterziehen m\u00f6chte (in diesem Fall ohne uns), dann gibt es wohl kaum einen Menschen, der nicht erstmal in ein Loch fallen w\u00fcrde. Wie durch einen Wattebausch h\u00f6ren wir kaum, was der Partner sagt (denn laut ihm hat das nat\u00fcrlich nichts mit uns zu tun &#8230; und er w\u00fcnscht sich nichts mehr, als mit uns befreundet zu bleiben &#8230;), in den Ohren h\u00f6ren wir nur noch unser Blut rauschen. Wir haben einen Schock! Hoffentlich ist der Albtraum bald zu Ende.<\/p>\n<p>Nachdem etwas Zeit vergangen ist, kommt die Hiobsbotschaft allm\u00e4hlich in unserem Kopf an. Beg\u00fcnstigt wird dieser Vorgang \u00fcbrigens durch reden, sprechen, nochmal reden und wieder sprechen, es immer wieder zu erz\u00e4hlen, rauf und runter, runter und rauf &#8211; mit Freunden, Familie und manchmal auch mit dem Partner selbst, wenn er uns daf\u00fcr noch zur Verf\u00fcgung steht. Bis das Geschehene langsam Wirklichkeit werden kann. Das ist nat\u00fcrlich f\u00fcr das Umfeld auch eine anstrengende Zeit, die aber wichtig f\u00fcr die Verarbeitung ist.<\/p>\n<p>Es dauert seine (Trauer)Zeit, bis wir wieder ins Leben zur\u00fcckfinden nach einer Trennung. Bedingt wird der Prozess durch die Dauer der Beziehung und die emotionale Tiefe der Verbindung. Hierbei handelt es sich um v\u00f6llig normale Prozesse!<\/p>\n<h2><strong>Zur\u00fcck ins Leben<\/strong><\/h2>\n<p>Schwierig wird es erst dann, wenn nach einer Trennung der Weg zur\u00fcck ins Leben nach einer angemessenen Zeit nicht vollzogen werden kann. Diese Zeit orientiert sich an der Dauer und Intensivit\u00e4t der Partnerschaft. Wir sprechen hier nicht von Tagen oder Wochen, sondern eher von Monaten bis Jahren. Es ist wichtig, zwischen einem gesunden Trauerprozess und der Pathologischen Trauer zu unterscheiden, was ggf. nur ein Fachmann\/Fachfrau kann.<\/p>\n<p>Wenn der Betroffene depressiv wirkt und sich und sein Leben dadurch selbst beschneidet, nicht offen f\u00fcr Neues ist (und ich spreche nicht von neuen Partnern!). Die Lebensfreude fehlt, der Antrieb ist nicht vorhanden, alles f\u00e4llt schwer und das Leben scheint so gar keinen Sinn mehr zu ergeben. Die Gedanken kreisen um die Zukunft und die Angst, niemals mehr gl\u00fccklich zu werden oder jemanden zu finden, vermehrt sich rasant. Psychosomatische Symptome wie z.B. Schlafst\u00f6rungen, Herzrhythmusst\u00f6rungen und Panikattacken treten sehr oft auf.<\/p>\n<p>Im Falle der Trennung wird schnell klar, wie stark der Partner bzw. die Partnerschaft zur Selbststabilisierung benutzt wurde. Klienten kommen genau an diesem Punkt oft zum Therapeuten und es liegt eine anstrengende Arbeit vor ihnen, weil diesen Menschen das Selbstwertgef\u00fchl beinahe vollst\u00e4ndig fehlt, was durch die Trennung an die Oberfl\u00e4che kommt. Die extreme emotionale Abh\u00e4ngigkeit muss erkannt werden.<\/p>\n<h2><strong>Beziehungsabh\u00e4ngige Menschen<\/strong><\/h2>\n<p>&#8222;Ich h\u00e4tte mich nie von meiner Frau getrennt&#8220;, schluchzt der verzweifelte Mann und umgekehrt. Es gibt zahlreiche Gr\u00fcnde, warum Menschen sich niemals von ihren Partnern trennen w\u00fcrden, auch wenn die Partnerschaft vielleicht schon lange nur noch dahin d\u00fcmpelt.\u00a0Das Motto: Besser eine schlechte Beziehung als gar keine, ist kein guter Ratgeber und sorgt nicht f\u00fcr eine Partnerschaft auf Augenh\u00f6he.<\/p>\n<p>&#8222;Vielleicht finde ich ja keinen besseren oder gar niemanden mehr&#8220;, resultiert aus der Angst vor dem Alleinsein und die steht immer ganz oben. Au\u00dferdem ist der Glaubenssatz &#8222;Man muss einen Partner oder eine Partnerin haben&#8220; noch nicht endg\u00fcltig in die Jahre gekommen und ausgemustert. Menschen ohne Partner sind nur halbe Menschen (&#8222;Wo ist denn deine bessere H\u00e4lfte?&#8220;) und irgendwie weniger wert in vielen (veralteten) Augen. Christliche Motive bei der Eheschlie\u00dfung spielen immer noch eine wichtige Rolle\u00a0 und f\u00fchren dazu, dass Menschen sich nicht trennen, um (bei wem auch immer) nicht in Ungnade zu fallen.<\/p>\n<p>Beziehungsjunkies, die von einer Beziehung zur n\u00e4chsten wandern, w\u00fcrden von sich aus nie eine Trennung initiieren, es sei denn, der n\u00e4chste wartet schon, so dass es keinen Leerlauf gibt, denn hier w\u00fcrden die Gef\u00fchle des Alleinseins ja sp\u00fcrbar werden. Meist werden diese Beziehungsmuster in der Pubert\u00e4t sichtbar und ziehen sich mitunter lange hin. Urs\u00e4chlich sind sie jedoch bereits in der fr\u00fchen Kindheit entstanden.<\/p>\n<h2><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n<p>Trennungen, die so gar nicht \u00fcberwunden werden, weisen auf eine extreme Verletzung oder Kr\u00e4nkung hin und sind oft ein Hinweis auf eine narzisstische Struktur. Weil Menschen mit narzisstischen Z\u00fcgen n\u00e4mlich immer \u00fcber einen schlechten Selbstwert verf\u00fcgen, sind sie sehr leicht kr\u00e4nkbar. Kritik an ihrer Person ist kaum auszudenken. Derjenige, der sich trennt, f\u00fcgt ihm eine sog. \u201eNarzisstische Kr\u00e4nkung\u201c zu, die nicht \u00fcberwunden werden kann. Hier hilft auch die Zeit wenig, sondern es werden schwere Gesch\u00fctze aufgefahren (Racheaktionen) oder dem Partner alles versprochen, damit dieser die Trennung r\u00fcckg\u00e4ngig macht (klein machen\/Druck aus\u00fcben).<\/p>\n<p>Der Narzisst verf\u00e4llt jedoch rasch in seine alten Muster zur\u00fcck, sobald der Partner wieder zur Selbststabilisierung zur Verf\u00fcgung steht.\u00a0Es w\u00fcrde eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst geschehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Erkenntnis, dass das Festhalten an einer Kr\u00e4nkung auch bedeutet, dass derjenige um sich selbst und sein Leid kreist, was einem narzisstischen Prinzip entspricht. Narzissten halten sich f\u00fcr die Sonne, um die andere Menschen herumzukreisen haben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/narzisstische-beziehungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mehr \u00fcber die Symptome des Narzissmus und Narzisstische Beziehungen&#8230;\u00a0<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Foto: \u00a9 Nicole Rinder<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abh\u00e4ngigkeit von Alkohol oder Nikotin sind jedem bekannt. Wie steht es aber um emotionale Abh\u00e4ngigkeit in Beziehungen, der sogenannten Beziehungssucht? Wenn beispielsweise ein Partner glaubt, ohne (den einen) anderen (weiter)leben zu k\u00f6nnen? Wenn man von einer Beziehung zur n\u00e4chsten h\u00fcpft? Wenn eine Trennung nur m\u00f6glich ist, nachdem der n\u00e4chste schon bereit steht? 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