{"id":4889,"date":"2019-03-01T18:46:17","date_gmt":"2019-03-01T17:46:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/?p=4889"},"modified":"2019-07-10T12:54:08","modified_gmt":"2019-07-10T10:54:08","slug":"narzisstische-beziehungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/narzisstische-beziehungen\/","title":{"rendered":"Narzisstische Beziehungen"},"content":{"rendered":"<p>Es wird viel \u00fcber Egoismus und Narzissmus geschrieben und ich denke, gerade weil dar\u00fcber gesprochen und diskutiert wird, zeigt sich hier etwas, das uns alle angehen sollte. <!--more-->Ob es sich bei diesem Thema um einen Wandel in der Gesellschaft handelt, wie einige Autoren behaupten, vermag ich nicht zu beurteilen. Egoistische und egozentrische Menschen gab es schon immer, aber vielleicht haben wir heute die Zeit und die M\u00f6glichkeiten uns damit detaillierter auseinanderzusetzen.<\/p>\n<h2>Jeder hat narzisstische Anteile<\/h2>\n<p>Mir ist wichtig, dass wir uns \u00fcber die Bedeutung des beinahe schon inflation\u00e4ren Begriffs \u201eNarzissmus\u201c einig sind. Viele Menschen wissen nicht, dass jeder Mensch \u00fcber narzisstische Pers\u00f6nlichkeitsanteile verf\u00fcgt. Ebenso wie \u00fcber depressive, abh\u00e4ngige, zwanghafte (usw.) Anteile auch. Man kann sagen, dass eine gesunde Psyche sich sogar genau dar\u00fcber definiert. Ein gesunder Narzissmus ist also ein wichtiger Bestandteil unserer Pers\u00f6nlichkeit und einigen t\u00e4te es sogar gut, wenn sie ihren (gesunden) Egoismus etwas mehr ausbilden w\u00fcrden.<\/p>\n<h2>Narzissmus \u2013 eine Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung?<\/h2>\n<p>Narzissmus in starker Auspr\u00e4gung allerdings z\u00e4hlt im klinischen Sinn zu den Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen, ansonsten spricht man von Pers\u00f6nlichkeitsstrukturen oder -anteilen. Alle Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen sind auch immer Beziehungsst\u00f6rungen, weil das Leben Beziehung ist. In meiner <a href=\"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/\">Beziehungspraxis<\/a> kommen Narzissten daher sehr h\u00e4ufig vor und zwar in v\u00f6llig unterschiedlichen Stadien. Es ist nach meiner Definition eine Spektrum-St\u00f6rung, die nicht unbedingt eine Diagnose braucht, aber auf eine Partnerschaft oder Beziehung wirklich massiv einwirkt. Selten ist es schwarz oder wei\u00df zu betrachten, sondern das am h\u00e4ufigsten vertretene Spektrum liegt irgendwo dazwischen im Graubereich. Und mit diesen Klienten haben wir es am h\u00e4ufigsten zu tun.<\/p>\n<h2>Der M\u00e4nnliche Narzissmus<\/h2>\n<p>Ist besser unter \u201egrandiosem\u201c Narzissmus bekannt oder wird auch harter Narzissmus genannt. Er kommt viel h\u00e4ufiger bei M\u00e4nnern vor und zeichnet sich wie folgt aus:<\/p>\n<ul>\n<li>Mehr Haben als Sein, alles dreht sich um Status<\/li>\n<li>Abwertendes Verhalten, Geringsch\u00e4tzung<\/li>\n<li>Machtspielverhalten (dabei will er nat\u00fcrlich oben sein)<\/li>\n<li>Emotional von der Partnerin abh\u00e4ngig<\/li>\n<li>Echte Augenh\u00f6he ist ihm fremd<\/li>\n<li>Oft notorischer L\u00fcgner<\/li>\n<li>Egoistisch und egozentrisch<\/li>\n<li>Aggressiv (entweder k\u00f6rperlich, emotional, verbal oder alles vereint)<\/li>\n<li>Misst immer mit zweierlei Ma\u00df<\/li>\n<li>Er mag keine schwachen und\/oder kranken Menschen<\/li>\n<li>Kritikunf\u00e4hig (auch wenn diese gesungen wird;-))<\/li>\n<li>Umgibt sich mit Stiefelleckern, die ihm stets zustimmen und abh\u00e4ngig von ihm sind<\/li>\n<li>Es geht nie um andere, sondern immer um ihn und seinen Vorteil<\/li>\n<li>Wenn jemand ihm nichts bringt, wird derjenige abgesto\u00dfen oder aussortiert (Kontaktabbr\u00fcche)<\/li>\n<li>Unsozial, hat null soziale Kompetenz<\/li>\n<li>Fehlende Empathie<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Liste kann so oder so \u00e4hnlich weitergef\u00fchrt werden und beschreibt einen stark ausgepr\u00e4gten &#8222;M\u00e4nnlichen&#8220; Narzissten. Man kann sich kaum vorstellen, dass jemand freiwillig mit einem Menschen in Beziehung tritt, der diese Eigenschaften aufweist. Aber das ist in meiner Praxis gang und gebe. Nat\u00fcrlich sind diese Partnerschaften weit entfernt von Wertsch\u00e4tzung, Respekt und vor allem Liebe. Zu einer Partnerschaft mit einem &#8222;M\u00e4nnlichen&#8220; Narzissten muss dieser auch immer auf einen &#8222;Weiblichen&#8220; Narzissten treffen. Denn es handelt sich keineswegs nur um Pech in der Liebe oder um ein schlechtes H\u00e4ndchen bei der Partnerwahl, sondern um das Schl\u00fcssel-Schloss-Prinzip oder Topf-auf-Deckel-Prinzip. Beide finden sich mit fast schlafwandlerischer Sicherheit. Wenn man also Beziehungen mit narzisstischen Strukturen \u00f6fter oder immer wieder erlebt, lohnt es sich durchaus, genauer bei sich selbst hinzuschauen., denn die eigenen narzisstischen Anteile sorgen f\u00fcr die entsprechende Anziehung eines narzisstischen Partners.<\/p>\n<h2>Der Weibliche Narzissmus<\/h2>\n<p>Der weiche Narzissmus, der auch unterw\u00fcrfig genannt wird, kommt h\u00e4ufiger bei Frauen vor. Die Merkmale sehen wir folgt aus:<\/p>\n<ul>\n<li>Mehr Haben als Sein, alles dreht sich um Status<\/li>\n<li>Optik sprich Figur und Aussehen sind immens wichtig, h\u00e4ufig \u00fcbertriebenes Sportverhalten<\/li>\n<li>K\u00f6rperwahn und Jugendlichkeit stehen ganz oben, h\u00e4ufig Sch\u00f6nheits-OPs, Di\u00e4ten oder Esst\u00f6rungen<\/li>\n<li>Machtspielverhalten<\/li>\n<li>Ihre \u201eW\u00e4hrung\u201c ist oft der Sex<\/li>\n<li>Hochmanipulativ<\/li>\n<li>Spielen Menschen aus, sind oft \u201efalsche Schlangen\u201c<\/li>\n<li>Sind emotionale Erpresserinnen<\/li>\n<li>Obwohl sie gute Ausbildungen haben, sind sie finanziell oft vom Mann abh\u00e4ngig und lieben Luxus<\/li>\n<li>Wirken immer sehr freundlich und offen<\/li>\n<li>Haben nur Menschen um sich herum, die ihnen Vorteile bringen (in der narzisstischen Gesellschaft)<\/li>\n<li>Oft sogenannte Opfermenschen (z.B. sind immer die Anderen schuld)<\/li>\n<li>Machen andere Menschen von sich abh\u00e4ngig (kaufen sich die Liebe)<\/li>\n<li>Haben gern Kontrolle \u00fcber andere<\/li>\n<li>Eifers\u00fcchtig, neidisch und missg\u00fcnstig<\/li>\n<li>Oft Suchttendenzen (Alkohol, Drogen, Kaufsucht, Sportsucht usw.)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Liste k\u00f6nnte man noch beliebig verl\u00e4ngern. Sie soll Einblick geben, wie weibliche Narzissten h\u00e4ufig ticken. Auch wenn sie nicht mit der Heftigkeit der m\u00e4nnlichen Seite daherkommen, ist auch ihr Part nicht unerheblicher.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Narzisstische Paare kommen in der Praxis sehr h\u00e4ufig vor, weil sie immer in Machtk\u00e4mpfe verstrickt sind und sich dann entweder trennen oder Unterst\u00fctzung suchen um eine Trennung abzuwenden. Allerdings sind sie an echter Therapie selten interessiert, sondern wollen lediglich den Partner davon \u00fcberzeugen, dass dieser sich im Unrecht befindet und erwarten diese Parteilichkeit auch vom Therapeuten.<\/p>\n<p>Obwohl viele meiner Kollegen nicht gerne mit Narzissten arbeiten (weil sie mitunter sehr anstrengend sein k\u00f6nnen), finde ich, dass sie extrem spannende Menschen sind und wenn es mit viel Wohlwollen und offenem Herzen gelingt, ihr Vertrauen und damit einen Zugang zu ihnen zu finden, ist die Arbeit mit ihnen wirklich \u00fcberw\u00e4ltigend. Ich unterscheide Narzissten in drei Kategorien: den Unbelehrbaren, den Bewussten und denjenigen, der sogar schon (ein bisschen) \u00fcber sich selbst lachen kann.<\/p>\n<p>N\u00e4chste Woche geht es hier weiter mit den narzisstischen Beziehungen, wie sie beginnen und wie sie sich entwickeln und leider auch oft enden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Foto: \u00a9 Alexandra Hartmann<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wird viel \u00fcber Egoismus und Narzissmus geschrieben und ich denke, gerade weil dar\u00fcber gesprochen und diskutiert wird, zeigt sich hier etwas, das uns alle angehen sollte.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4890,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[276,274],"tags":[325,326,239,328,327],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4889"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4889"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4889\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5167,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4889\/revisions\/5167"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4890"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4889"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4889"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4889"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}