{"id":4393,"date":"2018-11-09T17:33:29","date_gmt":"2018-11-09T16:33:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/?p=4393"},"modified":"2018-11-21T11:36:46","modified_gmt":"2018-11-21T10:36:46","slug":"kommunikation-ist-einfach-wenn-der-selbstwert-stimmt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/kommunikation-ist-einfach-wenn-der-selbstwert-stimmt\/","title":{"rendered":"Kommunikation ist einfach, wenn der Selbstwert stimmt"},"content":{"rendered":"<p>Ich gebe zu, dass \u00fcber Kommunikation schon viel geschrieben und geforscht wurde. Dennoch scheint diese Kunst so schwer erlernbar zu sein, dass sie uns dauerhaft besch\u00e4ftigt h\u00e4lt und ganze Berufsfelder daran reich werden l\u00e4sst. Es wird trainiert wie nie zuvor \u2013 ob Coaching oder Couching, im beruflichen oder im paar- oder sexualtherapeutischen Kontext, irgendwie gar nicht so einfach mit dem zwischenmenschlichen Austausch. Kommunikation ist die Br\u00fccke, die Menschen verbindet.<!--more--><\/p>\n<h2>WAS l\u00f6st das Gesagte aus?<\/h2>\n<p>Als Paar- und Sexualtherapeutin wei\u00df ich, dass Kommunikation nicht gleich Kommunikation ist. So erfahre ich regelm\u00e4\u00dfig, dass z.B. der Unternehmer innerhalb seines sicheren betrieblichen Rahmens sehr klar kommunizieren kann, w\u00e4hrend er im Gespr\u00e4ch mit seiner Gattin nur schwer bei sich bleibt und schnell unsicher wird. Das liegt vermutlich daran, dass es einen gewaltigen Unterschied macht, ob man auf der Sachebene (Inhalt) oder Beziehungsebene (Ausdruck) kommuniziert. Letztere ist die Entscheidende und stellt die emotionale Schwingung dar \u2013 der Ton macht also die Musik. Man k\u00f6nnte vereinfacht sagen: Es geht selten darum WAS gesagt wird, sondern vielmehr WIE es gesagt wird und noch mehr: WAS l\u00f6st das Gesagte an Emotionen, an Gef\u00fchlen letztendlich bei einem aus?<\/p>\n<p>Und schon sind wir mitten im Paargeschehen! Der andere ist nat\u00fcrlich schuld an allem! Wenn er oder sie, nicht dieses oder jenes, so oder anders gesagt h\u00e4tte, dann \u2026<\/p>\n<h2>Zur\u00fcck auf Anfang &#8211; hilft nix!<\/h2>\n<p>Und hier m\u00fcssen wir einen weiteren Schritt zur\u00fcckgehen, dorthin, wo unsere Erfahrungen verankert sind: in die Kindheit. Das macht deshalb so viel Sinn, weil man genaugenommen ausschlie\u00dflich auf der Sachebene \u00fcberhaupt nicht kommunizieren kann und daher immer wieder in eine emotionale Instabilit\u00e4t ger\u00e4t, wenn das Gegen\u00fcber kommuniziert. Die F\u00e4higkeit zu erlangen, sich von einem anderen Menschen nicht (mehr) aus der Ruhe bringen zu lassen und stets die Sicherheit zu haben, mit dem Gesagten umgehen zu k\u00f6nnen in einer erwachsenen Art und Weise, die das Wort Gelassenheit verdient, ist wahre Freiheit.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns mit unseren Wurzeln auseinandersetzen (auch wenn manche Klienten daran nicht einmal denken m\u00f6gen). Hilft aber nichts, diese Fragen werden kommen: wie haben wir gelernt zu kommunizieren und zwar schon sehr fr\u00fch? Die liebe gute Kindheit mal wieder. Wie gingen unsere Eltern bzw. Bezugspersonen miteinander und mit uns um? \u00dcber wie viel Reife verf\u00fcgten unsere Vorbilder? Und wir, haben wir wirklich verstanden, dass wir ab einem gewissen Alter selbst verantwortlich sind, ganz egal was vorher geschah und haben wir diese Verantwortung schon vollst\u00e4ndig \u00fcbernommen? Was tun wir f\u00fcr unsere Psychohygiene? Und wie viel Zeit f\u00fcr Reflexion nehmen wir uns? Wie sieht unser soziales Umfeld und unsere Beziehungen aus, denn genau die sind es, die uns lehren und reflektieren lassen, so dass Wachstum und Entwicklung m\u00f6glich sind.<\/p>\n<h2>Man kann gute Kommunikation lernen<\/h2>\n<p>Man stelle sich vor, jemand sagt etwas, das eine unangenehme Emotion ausl\u00f6st und man w\u00fcrde nicht mehr den Drang versp\u00fcren sofort zur\u00fcckzuschie\u00dfen und die eigene Instabilit\u00e4t durch Abwertung zu regulieren. Wenn man die Freiheit h\u00e4tte zu entscheiden, wie man jetzt reagieren m\u00f6chte: wohlwollend oder verst\u00e4ndnisvoll, vielleicht aber auch sauer oder entr\u00fcstet. Vielleicht seine Wahrnehmung einfach authentisch auszudr\u00fccken, was die Chance stark erh\u00f6ht, das Gegen\u00fcber wirklich zu erreichen. Im Herzen. Wie w\u00e4re es, wenn man das lernen k\u00f6nnte?<\/p>\n<p>In der Praxis erreichen uns h\u00e4ufig Anliegen wie: \u201eWir haben Kommunikationsprobleme\u201c. \u201eWir verstehen uns nicht\u201c oder \u201eWir reden immer aneinander vorbei\u201c.<\/p>\n<p>Wie Paul Watzlawik, ein Urgestein der systemischen Therapie in seinem Buch \u201eAnleitung zum Ungl\u00fccklichsein\u201c sagt: \u201eMan kann nicht nicht kommunizieren!\u201c Auch Nicht-Kommunikation ist somit Kommunikation. Wobei die Form der ignoranten Kommunikation sicher die verletzendste sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Aber auch \u201eAuge um Auge\u201c geht meist ins Auge, denn dann ist der Pfad des Redens schnell verlassen und es beginnen Streitspiralen, die immer weiter abw\u00e4rts f\u00fchren. Aber auch das ist eine Form von Kommunikation.<\/p>\n<h2>Hier hilft auch die beste Kommunikation wenig<\/h2>\n<p>Beispielsweise informiert die Frau den Mann dar\u00fcber, dass sie am Wochenende mit ihren Freundinnen ausgehen wird. Wenn der Gatte ein Thema mit Verlassenheits\u00e4ngsten hat, wird SIE es IHM niemals in der passenden Tonalit\u00e4t sagen k\u00f6nnen, denn er wird auf jeden Fall ein negatives Gef\u00fchl entwickeln (z.B. Angst, Eifersucht, Wut, Hilflosigkeit). Vorausgesetzt die Frau hat tats\u00e4chlich korrekt kommuniziert, liegt die Verantwortung f\u00fcr seine Gedanken und Gef\u00fchle beim Mann, auch wenn die Frau diese ausgel\u00f6st hat. Sie ist nicht die Ursache, so viel ist sicher. Sie l\u00f6st sie einfach nur aus. H\u00f6chste Eisenbahn, dass er sich darum k\u00fcmmert!<\/p>\n<h2>Wie meinen?<\/h2>\n<p>M\u00e4nner kommunizieren h\u00e4ufiger auf der Sachebene und Frauen auf der emotionalen Ebene. Beide haben kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcreinander, sehen nur sich selbst und haben den eigenen Schmerz im Fokus. Es m\u00fcsste gelingen, dass der eine sich in den anderen hineinf\u00fchlen kann und das ist die h\u00f6chste Kunst der Kommunikation. Es setzt n\u00e4mlich voraus, sich in sich selbst hineinf\u00fchlen zu k\u00f6nnen, Verst\u00e4ndnis f\u00fcr sich selbst zu haben und w\u00fcrde auch bedeuten, die eigenen Bed\u00fcrfnisse \u2013 samt Ego -, zumindest f\u00fcr eine Weile, hintanzustellen. Gem\u00e4\u00df dem Motto: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.\u201c Aktives Zuh\u00f6ren und nicht nur das, sondern mitf\u00fchlen! Und da sind wir schon wieder beim Stichwort Reife gelandet und mitten in der Therapie!<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Nach vielen Tausend Sitzungen kann ich sicher sagen, dass die L\u00f6sung in der paartherapeutischen Arbeit darin liegt, dem Paar unmissverst\u00e4ndlich klarzumachen, dass jeder f\u00fcr sich selbst in den Spiegel schauen muss, anstatt mit dem Spiegel dem Partner hinterher zu laufen, auch wenn das viel einfach ist. Bei sich selbst zu schauen, ist weitaus unbequemer, aber langfristig die einzige L\u00f6sung zur Freiheit.<\/p>\n<p>Im Grunde geht es immer um das das sogenannte innere Kind (die Bed\u00fcrfnis-Ebene) oder, und das bisher in der Paartherapie kaum etabliertes Thema: das Trauma (zahlreiche Menschen haben noch zahlreichere Entwicklungstraumata). Man kann sich das \u00e4hnlich dem inneren Kind vorstellen, aber um ein Vielfaches tiefer gehend, sollte aber nur am Rande gestreift werden. Kommunikation kann man lernen, wenn man ein paar wichtige Grundlagen verstanden hat. Und es lohnt sich!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Foto: \u00a9 Privat (M\u00fcnchen, Isar)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich gebe zu, dass \u00fcber Kommunikation schon viel geschrieben und geforscht wurde. Dennoch scheint diese Kunst so schwer erlernbar zu sein, dass sie uns dauerhaft besch\u00e4ftigt h\u00e4lt und ganze Berufsfelder daran reich werden l\u00e4sst. 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