{"id":4255,"date":"2018-09-28T11:56:32","date_gmt":"2018-09-28T09:56:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/?p=4255"},"modified":"2018-11-30T16:33:14","modified_gmt":"2018-11-30T15:33:14","slug":"wenn-der-partner-krank-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wenn-der-partner-krank-wird\/","title":{"rendered":"Wenn der Partner krank wird"},"content":{"rendered":"<p>Die Vorstellung, dass der Partner eine ernsthafte Krankheit bekommen k\u00f6nnte, versetzt zun\u00e4chst mal jeden in Stress. Das Ausma\u00df h\u00e4ngt davon ab, ob es sich um eine chronische oder gar lebensbedrohliche Krankheit handelt oder \u201enur\u201c um einen Beinbruch, denn ich nicht schm\u00e4lern m\u00f6chte, aber dieser ist zeitlich begrenzt. Doch egal wie die Diagnose lautet, so ein Ereignis bringt die Paardynamik immer durcheinander.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Aus Augenh\u00f6he wird Schieflage<\/h2>\n<p>Bei jeder Art von Krankheit ger\u00e4t jede noch so gute Partnerschaft, die (hoffentlich) auf Augenh\u00f6he war, in eine Schieflage. Es gibt fortan einen Kranken, um den sich gek\u00fcmmert werden muss und und einen Gesunden, der nun die Rolle des Pflegers oder Helfers \u00fcbernimmt. Jetzt geht es darum, wie lange diese Rolle \u00fcbernommen werden muss und welche weiteren Rollen derjenige sonst noch zu erf\u00fcllen hat.<\/p>\n<p>Augenh\u00f6he hin oder her und ganz egal wie stabil eine Beziehung auch in ihren Grundfesten ist, gibt es nie v\u00f6llige und dauerhafte Ausgeglichenheit, sonst w\u00e4re die Beziehung statisch und v\u00f6llig unflexibel.<\/p>\n<h2>Kurze oder langwierige Krankheiten<\/h2>\n<p>Es sollte kaum gr\u00f6\u00dfere Beeintr\u00e4chtigung geben, wenn ein Partner f\u00fcr einen \u00fcberschaubaren Zeitraum f\u00fcr den anderen Partner einspringt. Beinahe jeder kann die Z\u00e4hne zusammenbei\u00dfen, denn danach gelangt das Beziehungskonto meist von alleine wieder in Ausgleich (falls es nicht schon vorher im Minus war!).<\/p>\n<p>Auch bei schwerwiegenden Krankheiten versteht es sich f\u00fcr die meisten Menschen, besonders f\u00fcr Frauen, von selbst, dass sie an der Seite des Partners bleiben und ihn durch die bevorstehende Zeit begleiten. Genau hier beginnt das zun\u00e4chst unsichtbare Problem, n\u00e4mlich dass der helfende Partner sich selbst aus den Augen verliert und vergisst f\u00fcr sich selbst zu sorgen, vor lauter F\u00fcrsorge f\u00fcr den Kranken. Dies ist meist ein schleichender Prozess.<\/p>\n<h2>Psychische Krankheiten<\/h2>\n<p>Schwierig wird es bei psychischen Erkrankungen, die bis heute stark stigmatisiert sind. Psychische und physische Krankheiten sind bis heute bei weitem nicht gleichgesetzt. Die angeschlagene Psyche geht irgendwie immer mit Schw\u00e4che einher. Oft hei\u00dft es: \u201eWenn man nur wollte, k\u00f6nnte man auch anders! Man muss sich doch nur mal zusammenrei\u00dfen!\u201c Das halte ich f\u00fcr Quatsch. Es muss schon genauer betrachtet werden, um was es geht. Nicht jeder, der will, kann auch.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich darf man die sogenannten &#8222;Krankheitsgewinne&#8220; nicht au\u00dfer Acht lassen, denn viele Kranke haben gerade in ihrem Leid auch einen \u201eNutzen\u201c. Sie erhalten erh\u00f6hte und besondere Aufmerksamkeit der Freunde, Familie, Angeh\u00f6rigen und sonstigen Umgebung. Und manch einer will vielleicht tats\u00e4chlich sein \u201eSymptom\u201c nicht aufgeben, weil er damit auch die daran gekn\u00fcpfte Zuwendung verlieren w\u00fcrde.<\/p>\n<h2>Wenn der Partner depressiv ist (oder geburnoutet)<\/h2>\n<p>Weil Depressionen keine Kurzzeitkrankheiten sind, sondern eher auf Dauer angelegt, sind betroffene Paare besonders herausgefordert ihr Leben und Ihren Alltag neu zu organisieren<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung besteht darin, dass derjenige, der als Pfleger agiert, besonders auf sich schauen und darauf achten muss, sich nicht in der Krankenpflegerrolle zu \u00fcberfordern, um am Ende nicht selbst ersch\u00f6pft und ausgebrannt dazustehen. Die Gefahr zu funktionieren ist gro\u00df, schlie\u00dflich ist der Partner doch viel schlimmer dran. Der Kranke wiederum verlangt, bewusst oder unbewusst, vom Helfenden, dass dieser rund um die Uhr f\u00fcr ihn da ist und f\u00fcr alles Verst\u00e4ndnis aufbringt und immer unterst\u00fctzt.<\/p>\n<h2>Geben und Nehmen<\/h2>\n<p>Auch das ist in einer stabilen Partnerschaft f\u00fcr eine begrenzte Zeitspanne kein Thema. H\u00e4lt der Zustand der Unausgeglichenheit jedoch an, entsteht in dem Paarsystem eine dauerhafte Schieflage. Diese bezieht sich meist auf den Geben-Nehmen-Pol. Es stellen sich beim Helfer Gef\u00fchle von Unzufriedenheit und Ausweglosigkeit ein. Dieser Konflikt l\u00e4uft unterschwellig, wird nicht offengelegt. Viel zu lange versucht der Gesunde die Schieflage unter gro\u00dfer Anstrengung auszugleichen, was kr\u00e4ftem\u00e4\u00dfig mehr und mehr an seine Substanz geht. Man kann sich vorstellen, dass sich dieser Zustand immer auch sexuell niederschl\u00e4gt und kaum beg\u00fcnstigen wird.<\/p>\n<p>Besteht keinerlei Aussicht auf Verbesserung der Krankheit, dann muss das Paar L\u00f6sungen finden, ob und wie sie mit einer dauerhaften Schieflage umgehen wird. F\u00fcr Frauen ist es h\u00e4ufiger selbstverst\u00e4ndlich, sich in diesen Beziehungen zu arrangieren, vielleicht weil es bis heute weit mehr Krankenschwestern als Pfleger gibt;-).<\/p>\n<h2>Helfen kann nur der, der sich selbst helfen kann<\/h2>\n<p>Es gibt heutzutage Selbsthilfegruppen, die gerade f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen von psychisch Kranken gegr\u00fcndet wurden, denn es sind genau diejenigen, die vor lauter Belastung in die Knie gehen. Man stelle sich vor, ein betroffenes Paar hat Kinder und ein Partner muss auch alleine die Elternrolle ausf\u00fcllen. Das zehrt nicht nur an den Kr\u00e4ften, sondern f\u00fchrt unweigerlich zur \u00dcberforderung.<\/p>\n<p>Beim Helfenden entsteht dann Wut auf die Situation und h\u00e4ufig auch Aggression gegen\u00fcber dem Kranken. Dar\u00fcber wird aus Scham nicht gesprochen und es ist eine Frage der Zeit, bis sich diese Energie ihren Weg bahnen wird, was oft in Spontanhandlungen ausagiert wird.<\/p>\n<h2>Von Schieflage zur\u00fcck zur Augenh\u00f6he<\/h2>\n<p>Wenn es zur Genesung gekommen ist, muss bewusst wieder die Augenh\u00f6he hergestellt werden, in dem der ehemals Kranke wieder in seine Kraft \u2013 als Mann oder Frau &#8211; kommt und die einstige Verantwortung f\u00fcr die Beziehung \u00fcbernimmt Je nachdem wie lange die Rollen ungleich verteilt waren, ist das f\u00fcr den ehemalige Pfleger ungewohnt und dieser muss zulassen, die Kontrolle und Verantwortung wieder abzugeben. Es wird einen Prozess ben\u00f6tigen, in dem das Paar die belastende Zeit gut miteinander verarbeiten kann und entstandene \u201eSch\u00e4den\u201c heilen k\u00f6nnen. Kl\u00e4rende Gespr\u00e4che und Wiedergutmachungen k\u00f6nnten ein Schritt sein, damit keine unsichtbare Mauer zwischen dem Paar stehen bleibt.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Um welche Krankheit handelt es sich? Was wird unternommen, um sich mit ihr auseinanderzusetzen? Hat der Partner bereits eine Krankheit mit in die Beziehung gebracht? \u201eWandert\u201c der Partner vielleicht von einer Krankheit zur n\u00e4chsten, damit er nicht hinschauen und etwas in seinem Leben \u00e4ndern muss? Vielleicht unterst\u00fctzt der Pfleger diesen Prozess mit seiner bereitwilligen Hilfe sogar? K\u00f6rper, Geist und Seele sind n\u00e4mlich nicht zu trennen, sondern ein ganzheitlicher Ansatz macht hier durchaus Sinn und hat mit Esoterik absolut gar nichts zu tun.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Foto: \u00a9 privat (Blutmondnacht in Regensburg)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vorstellung, dass der Partner eine ernsthafte Krankheit bekommen k\u00f6nnte, versetzt zun\u00e4chst mal jeden in Stress. Das Ausma\u00df h\u00e4ngt davon ab, ob es sich um eine chronische oder gar lebensbedrohliche Krankheit handelt oder \u201enur\u201c um einen Beinbruch, denn ich nicht schm\u00e4lern m\u00f6chte, aber dieser ist zeitlich begrenzt. Doch egal wie die Diagnose lautet, so ein [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4257,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,276],"tags":[248,246,245,12,247,249,250],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4255"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4255"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4255\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4530,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4255\/revisions\/4530"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4257"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4255"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4255"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4255"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}