{"id":4239,"date":"2018-09-21T15:08:32","date_gmt":"2018-09-21T13:08:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/?p=4239"},"modified":"2018-11-30T16:35:51","modified_gmt":"2018-11-30T15:35:51","slug":"die-angst-vor-paartherapie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/die-angst-vor-paartherapie\/","title":{"rendered":"Die Angst vor Paartherapie"},"content":{"rendered":"<p>Auch wenn ich pers\u00f6nlich genauso viele Paare wie Einzelpersonen, von denen sich Frauen und M\u00e4nner auch in etwa gleich verteilen, zu meinen Klienten z\u00e4hle, h\u00e4lt sich hartn\u00e4ckig die Behauptung, dass M\u00e4nner diejenigen sind, die den Schritt durch die Therapiet\u00fcr mehr scheuen als ihre Frauen.<!--more--><\/p>\n<h2>Therapieunwilligkeit und \u00c4ngste<\/h2>\n<p>Tats\u00e4chlich bedeutet f\u00fcr M\u00e4nner Therapie oft Schw\u00e4che oder Krankheit. Jedenfalls kann doch mit einem etwas nicht ganz stimmen, wenn man \u201eso was\u201c \u00fcberhaupt braucht und viele Paare kommen wirklich auf das Dr\u00e4ngen der Frau zu uns.<\/p>\n<p>Erfolgreiche Therapie bedeutet auch immer eine erfolgreiche Bindung und Beziehung zu den Klienten aufzubauen und es ist gerade die Kunst des Therapeuten, beide Partner gut ins Boot zu holen und sich das Vertrauen erst einmal zu verdienen. In der Regel gelingt das auch sehr gut und sp\u00e4testens im zweiten Schritt sind die M\u00e4nner dann diejenigen, die gleich einen erneuten Termin ausmachen wollen, weil es dann doch nicht so schlimm war;-).<\/p>\n<p>Hinter den Widerst\u00e4nden und der Therapieunwilligkeit stecken fast immer \u00c4ngste. Und weil die verdeckt werden wollen, geht man am besten erst gar nicht zu so einem &#8222;Psycho&#8220; hin. Was will einem schon ein Fremder sagen? Das kann man doch viel besser mit sich selbst ausmachen. Ein geschulter Therapeut kann mit diesen Widerst\u00e4nden umgehen und sie auch St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck aufl\u00f6sen, wenn das gew\u00fcnscht wird.<\/p>\n<h2>Was passiert in einer Sitzung?<\/h2>\n<p>Ich kann nat\u00fcrlich nur sagen, was in meinen Sitzungen geschieht und wenn ein Paar gemeinsam kommt, frage ich zun\u00e4chst, was der Status Quo ist und welchen Ausl\u00f6ser es gab, heute zu mir zu kommen. Ich erkundige mich, was ihre Ziele sind und wo sie hinwollen, falls das schon klar ist. Ich frage immer beide nacheinander, und meine Aufgabe es ist dann, Ideen f\u00fcr den Weg vorzuschlagen, wobei die Verantwortung f\u00fcr ihre Partnerschaft immer bei dem Paar bleibt.<\/p>\n<p>Ebenso versuche ich die Beziehungsdynamik des Paares zu entschl\u00fcsseln, damit verst\u00e4ndlicher wird, was zwischen den beiden passiert. Gerade weil der Therapeut emotional nicht involviert ist, kann er aus der Metaebene, wie aus der Vogelperspektive, auf das Paarsystem blicken. Eine weitestgehend neutrale Sicht, so gut das als Mensch eben m\u00f6glich ist.<\/p>\n<h2>Es steht h\u00e4ufig die Beziehung auf dem Spiel<\/h2>\n<p>Wenn die Menschen zu uns finden, dann werden sie fast immer von \u00c4ngsten begleitet. Sie wissen, wenn sie noch keinerlei therapeutische Erfahrungen haben, nicht was auf sie zukommt. Und Neues bereitet Angst. Um das Mann-Frau-Klischee zu bedienen, hat die Frau m\u00f6glicherweise die Pistole auf des Mannes Brust gesetzt mit der Message: \u201eWenn du nicht mit zur Therapie gehst, trenne ich mich von dir!\u201c Wie kann der Mann da nicht unsicher sein, ob er noch mit seiner Partnerin an der Seite wieder rausgehen wird?<\/p>\n<p>Diesen Klienten sage ich immer: \u201eWissen Sie, kein Therapeut kann so schlecht sein, dass Sie sich deshalb trennen, weil er was Falsches zu Ihnen sagt und ebenso kenne ich auch kein Paar, dass zusammengeblieben w\u00e4re, nur weil der Therapeut so nett war.\u201c Das verstehen dann doch die meisten;-).<\/p>\n<h2>Setting<\/h2>\n<p>In meiner Praxis gibt es keine knarzenden Korbsessel und auch keine R\u00e4ucherst\u00e4bchen, keine roten, gelben oder orangefarbigen W\u00e4nde und meine Klienten m\u00fcssen auch nicht ihre Schuhe ausziehen, um dann &#8222;entbl\u00f6\u00dft&#8220; in Kost\u00fcm oder Anzug vor mir zu sitzen.<\/p>\n<p>Wir sitzen alle auf gleichen Sesseln und die Augenh\u00f6he ist mir sehr wichtig. Ich bin zwar Therapeutin, aber in erster Linie Mensch. Einer mit Ecken und Kanten und ohne Heiligenschein. Ich bin weder Lehrer, noch Vollchecker und ich versuche auch nicht zu missionieren. Meine Haltung und die angenehme Umgebung gibt den Klienten ein beruhigendes Gef\u00fchl und nur so k\u00f6nnen sie sich wohlf\u00fchlen und \u00f6ffnen. Das ist der erste Schritt f\u00fcr eine vertrauensvolle Beziehung, gerade weil es in der Paartherapie oft auch um das sensible Thema Sexualit\u00e4t geht.<\/p>\n<h2>Aufgaben<\/h2>\n<p>Als Therapeutin begebe ich mich st\u00e4ndig auf sehr d\u00fcnnes Eis und man sagt nicht umsonst, dass Paartherapie die K\u00f6nigsdisziplin unter den Therapieformen ist. Stell dir einfach mal vor, es kommt ein v\u00f6llig zerstrittenes Paar zu dir und jeder der beiden versucht dich von seiner Sicht zu \u00fcberzeugen. Sie fallen sich gegenseitig ins Wort, agieren respektlos und ohne Wertsch\u00e4tzung.<\/p>\n<p>Diesen Paaren erkl\u00e4re ich dann, dass ich keine Richterin bin, die Beweise sammelt, um dann ein Urteil zu sprechen, sondern der Therapeut versucht in erster Linie zu verstehen und nicht zu richten. Ein erfahrener Therapeut l\u00e4sst sich daher gar nicht erst auf die Diskussionen, wer woran genau schuld ist, ein. Weil gerade streitende Paare oft in Rivalit\u00e4t und Konkurrenz zueinander stehen, z\u00e4hlt es zu unseren Aufgaben, wohlwollend zu vermitteln und gemeinsam L\u00f6sungen zu erarbeiten, wobei die Kommunikation bei mir ganz oben steht.<\/p>\n<p>Letztendlich geht es immer um die eigene Entwicklung, die in der Paartherapie parallel stattfindet.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Ich kann es nicht oft genug sagen, dass man Therapie in Anspruch nehmen sollte, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist und der Leidensdruck so hoch ist, dass keine Energie mehr \u00fcbrig ist, um sich noch mit der Beziehung auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p>Noch nie musste ich ein Paar nach Hause schicken, weil es zu fr\u00fch vorbeigekommen w\u00e4re. Wesentlich h\u00e4ufiger kommt es aber gerade deshalb zu einer Trennung, weil die Leute so sp\u00e4t zu einer Beratung erscheinen, dass mindestens einer aus der Beziehung bereits emotional ausgestiegen ist und die Liebe sich l\u00e4ngst verabschiedet hat.<\/p>\n<p>Auch nicht oft genug betont kann werden, dass von alleine gar nichts besser wird, schon gar keine Partnerschaft, sondern eher schlechter. Das ist ein bisschen wie bei Zahnschmerzen und zumindest meine Wahrheit.<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrende Themen:\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/destruktive-schaedliche-toxische-beziehungen\/\">Destruktive, sch\u00e4dliche, toxische Beziehungen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/maenner-in-der-therapie-oft-verkannt\/\">M\u00e4nner in der Therapie \u2013 oft verkannt<\/a><\/p>\n<p><em>Foto: \u00a9 privat (irgendwo auf dem Mittelmeer zwischen Korsika und Italien)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn ich pers\u00f6nlich genauso viele Paare wie Einzelpersonen, von denen sich Frauen und M\u00e4nner auch in etwa gleich verteilen, zu meinen Klienten z\u00e4hle, h\u00e4lt sich hartn\u00e4ckig die Behauptung, dass M\u00e4nner diejenigen sind, die den Schritt durch die Therapiet\u00fcr mehr scheuen als ihre Frauen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4242,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,4,3],"tags":[40,45,67,30,243,244,21,95],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4239"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4239"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4239\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4602,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4239\/revisions\/4602"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4242"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4239"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4239"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4239"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}