{"id":4188,"date":"2018-09-07T15:26:33","date_gmt":"2018-09-07T13:26:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/?p=4188"},"modified":"2018-11-21T11:50:01","modified_gmt":"2018-11-21T10:50:01","slug":"wenn-es-nur-noch-ein-wir-in-der-partnerschaft-gibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wenn-es-nur-noch-ein-wir-in-der-partnerschaft-gibt\/","title":{"rendered":"Wenn es nur noch ein WIR in der Partnerschaft gibt"},"content":{"rendered":"<p>Stellt Dir mal die ehrliche Frage, wie viele Partner aus Deiner Beziehungsvita Dein Freundeskreis schon erlebt hat und dann frage Dich, ob und welche Partnerschaft Deine Freunde \u00fcberlebt hat? Ich meine hier nat\u00fcrlich echte Freunde und nicht kurze Bekanntschaften.<\/p>\n<p>Immer wieder stelle ich fest, wie viele Menschen ihre Partnerschaft(en) \u00fcber die Freundschaften stellen. Warum eigentlich?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Keine Frage des Alters, sondern der Reife<\/h2>\n<p>Man k\u00f6nnte meinen, dass es eher junge Menschen sind, die sich Hals \u00fcber Kopf auf eine neue Liebe einlassen, um dann nach au\u00dfen hin alles zu vergessen, was ihnen bis dahin lieb und teuer war. In diesem Fall k\u00f6nnte man daf\u00fcr Verst\u00e4ndnis aufbringen, schlie\u00dflich ist Verliebtsein in der Jugend etwas ganz Besonderes.<\/p>\n<p>Aber es ist viel weniger eine Frage des Alters, ob verliebte Menschen neben dem oder der Angebetenen ihr Umfeld noch wahrnehmen oder in einer Symbiose feststecken. Es handelt sich vielmehr um eine Frage der Reife und vor allem der Bed\u00fcrftigkeit. Menschen, die brauchen, k\u00f6nnen nicht entscheiden, so dass Leute, die eine Partnerschaft haben &#8222;m\u00fcssen&#8220;, um sich gut oder vollst\u00e4ndig zu f\u00fchlen, auch immer bereit sind, sich dem anderen anzupassen. Sie tun viel, oft zu viel daf\u00fcr, ihre Bed\u00fcrfnisse befriedigt zu wissen.<\/p>\n<h2>Bed\u00fcrftigkeit<\/h2>\n<p>Das Motto lautet: Man braucht einen Partner. Jedenfalls ist es besser einen zu haben, als keinen vorzuweisen. Bed\u00fcrftige Menschen haben wenig Singlezeiten und diese sind auch schnell wieder vor\u00fcber. Jahrelange Beziehungspausen gibt es kaum und wenn, dann geht es ihnen dabei immer schlecht. Eine Trennung erfolgt h\u00e4ufig erst dann, wenn der oder die N\u00e4chste schon bereit steht, weil das Alleinsein kaum vorstellbar erscheint.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man sich vorstellen, dass der Partner bei diesen Voraussetzungen, immer eine Hauptrolle spielen wird. Der Fokus liegt auf der Partnerschaft und alles andere ist nachrangig. Vieles bis alles wird nur noch gemeinsam gemacht. Die Folge dieser Beziehungssymbiose ist, dass es kein ICH mehr gibt, sondern nur noch ein WIR. Die Eigenst\u00e4ndigkeit wird weniger, die Abh\u00e4ngigkeit gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<h2>M\u00e4nner sind sozial schlechter aufgestellt<\/h2>\n<p>Sobald M\u00e4nner in einer Beziehung sind, \u00fcberlassen sie gerne die Verantwortung f\u00fcr die Sozialkontakte ihrer Partnerin. Jetzt f\u00e4llt das Koordinieren von privaten Terminen in ihr Aufgabengebiet. Die alten Freunde aus Schul- oder Unizeiten werden vernachl\u00e4ssigt, zumal man mit der neuen Partnerschaft ausgelastet genug ist.<\/p>\n<p>Zum Problem wird das erst dann, wenn sich die Partnerin aus dem Staub gemacht hat und der Mann dadurch in ein tiefes Loch f\u00e4llt (Praxiserfahrung!). Mit Wehmut wird festgestellt, dass er die letzten Jahre oder sogar Jahrzehnte, seinen Freundeskreis v\u00f6llig aus den Augen verloren hat. M\u00fchsam muss dieser nun neu aufgebaut oder aktiviert werden.<\/p>\n<h2>F\u00fcr das Umfeld ist es schwierig<\/h2>\n<p>Jeder, der im Freundeskreis oder in der Familie einen Beziehungsjunkie hatte oder hat, wei\u00df wie anstrengend und nervig das sein kann. Den fr\u00fcheren Freund scheint es als Individuum nicht mehr zu geben. Aus dem urspr\u00fcnglichen ICH ist ein WIR geworden. Frei nach dem Lebensmotto: Komme ich, kommen wir. Es hei\u00dft nur noch: \u201eWir sind in &#8230;\u201c oder: \u201eWir fahren nach &#8230;\u201c oder: &#8222;Wir finden, dass \u2026&#8220;<\/p>\n<p>Man kann nur hoffen, dass es m\u00f6glichst lange ein WIR gibt, so dass die schmerzhafte Erkenntnis, ohne den anderen irgendwie nicht mehr ausreichend zu sein, lange hinausgez\u00f6gert wird. Oder darauf zu hoffen, dass ein Kollaps m\u00f6glichst zeitnah passiert, so dass noch Zeit bleibt, einen stabilen Freundeskreis aufzubauen. Denn Freunde bilden das Netz, das man braucht, wenn man f\u00e4llt. Immer. Partner hingegen nur manchmal.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Menschen, die nach der anf\u00e4nglichen Verliebtheitsphase (kann je nach Beziehungsstruktur durchaus zwischen ein paar Monaten und Jahren andauern) immer noch in einer symbiotischen Liebesbeziehung schwelgen, weisen kein stabiles Selbstwertgef\u00fchl auf. Sie definieren sich vielmehr \u00fcber den Partner und &#8222;benutzen&#8220; ihn dadurch auch. Allerdings hat ein Partner, der dies mitmacht auch immer seinen Anteil und findet ebenso Gefallen daran. Es gibt hier kein Opfer und keinen T\u00e4ter, sondern nur zwei Menschen, die ihr Selbst gegenseitig beleihen und sich dadurch st\u00fctzen.<\/p>\n<p>Wenn es in einer Partnerschaft kein WIR gibt, kannst Du hier weiterlesen: <a href=\"https:\/\/www.beziehungspraxis.de\/beziehungsvoll\/wenn-es-in-der-partnerschaft-nur-ein-ich-gibt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fehlendes ICH-Gef\u00fchl<\/a>\u00a0&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Foto: \u00a9 privat\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellt Dir mal die ehrliche Frage, wie viele Partner aus Deiner Beziehungsvita Dein Freundeskreis schon erlebt hat und dann frage Dich, ob und welche Partnerschaft Deine Freunde \u00fcberlebt hat? Ich meine hier nat\u00fcrlich echte Freunde und nicht kurze Bekanntschaften. Immer wieder stelle ich fest, wie viele Menschen ihre Partnerschaft(en) \u00fcber die Freundschaften stellen. 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